Neuental. Am kommenden Sonntag, 14. August, steht die Bürgermeisterwahl in Neuental an. Zur Wahl stehen drei Kandidaten.
Der amtierende Bürgermeister Kai Knöpper hat sich im Vorfeld zu einem Interview mit den Heimatnachrichten bereit erklärt und über Erfolge der letzten Amtsperiode, Projekte, die ihm am Herzen liegen und Ziele für die Gemeinde Neuental zu berichten.

Der amtierende Bürgermeister aus Neuental, Kai Knöpper, im Gespräch mit der Redakteurin der Heimatnachrichten, Svenja Hennek
Herr Knöpper, erzählen Sie mir kurz über die Erfolge ihrer vergangenen Amtsperiode.
Wir haben als Erstes den Kindergarten umstrukturiert. Aus dem Halbtagesbetrieb mit drei Gruppen ist ein Ganztagsbetrieb mit bis zu fünf Gruppen geworden. Also, zwei Nachmittagsgruppen. Wir werden jetzt abermals das Angebot erweitern, so dass wir von 7.00 Uhr morgens bis abends um 18.00 Uhr das Programm anbieten, wenn die entsprechende Nachfrage besteht. Wir sind wahrscheinlich auch aufgrund des Kindergartens der einzige Campingplatz Nordhessens, der eine kostenlose Kinderbetreuung für die Camper-Kinder anbietet. Das machen auch Kräfte aus dem Kindergarten. Denn im Sommer ist ja erfahrungsgemäß durch die Ferienzeit nicht ganz so viel los, deshalb setzen wir unsere Personalkapazitäten dann am Neuenhainer See ein.
Stichwort Neuenhainer See. Da sind wir auf einem guten Weg. Da wurde das Angebot erheblich erweitert und verbessert. Die Infrastruktur konnte verbessert werden. Wir wollen auch in Zukunft noch weiter investieren und erweitern, so dass wir noch mehr Stellplätze bieten können. Aber auch in die Infrastruktur vor Ort wird investiert. Sprich: ein neues Sanitärgebäude noch dieses Jahr bauen, dass dann nächstes Jahr in Betrieb geht. Und sofern wir eben die Fördermittel aus Wiesbaden bekommen sollten, soll dann auch noch was in der Strandlandschaft passieren.
Fördermittel ist ein Stichpunkt: Da bin ich relativ erfolgreich beim Klinken putzen in anderen Regionen, um Gelder nach Neuental zu holen. Das funktioniert ganz gut, natürlich braucht man immer Kompensationsmittel, aber wenn man bedenkt, dass doch Einiges liegen geblieben war, ist da schon einiges passiert. Eine der lästigen Pflichtaufgaben in den letzten Jahren ist der Kanalbau, der ist auch immer noch nicht fertig. Jeder Ortsteil, der da dran ist, möchte mich am liebsten lynchen. Aber ich kann jedem Bürger nur versichern, dass das nicht auf meinem Mist gewachsen ist. Das ist das, was wir aus Wiesbaden auf die Nase gebunden bekommen haben und wir müssen es umsetzen. Und wir müssen bis 2014 damit fertig sein. Es macht keinen Spaß, es ruiniert einem die Finanzen, aber es geht nun mal leider nicht anders. Hätte man früher damit begonnen, hätte man die doppelten Zuschüsse bekommen und die Schulden wären halb so hoch. Das muss man mal so deutlich sagen. Wir haben im Rahmen des Kanalbaus weitestgehend die Straßen, wo es nötig war, grundsaniert. Das schafft Luft für die künftigen Generationen, weil weniger Reparaturen anstehen und somit weniger Mittel gebunden werden. Wir haben auch versucht im ganzen Kanalbau sehr nachhaltig zu arbeiten. Wir haben mit Kunststoffrohren gearbeitet, von der wir uns eine hohe Lebenserwartung versprechen. So dass also, wenn die Kanalschulden getilgt sind, nachfolgende Generationen nach menschlichem Ermessen noch 20 Jahre von der jetzigen geschaffenen Infrastruktur partizipieren können ohne weitere Kosten zu haben.
Ein weiterer Punkt ist die Seniorenarbeit und unser Seniorenbus. Wir haben im Rahmen des Konjunkturprogramms geschafft, dass die Neuentaler Bürger für den Bus nicht viel bezahlen müssen, sondern eben nur den Kommunalanteil. Der Rest ist von Fördermitteln des Landes Hessen übernommen worden. Und so ist es uns möglich, innerhalb Neuentals, hin und zurück, den Bus für einen Euro anzubieten, bei Haus-zu-Haus-Service. Also, keine Bushaltestellen. Sondern die Leute rufen bei uns an, Die einzige Schwierigkeit ist, dass das einen Tag vorher passieren muss. Es wird ganz gut angenommen, allerdings ist bei Manchen die Hemmschwelle noch so, dass sie lieber den Nachbarn fragen. Aber diejenigen, die einmal mit dem Bus gefahren sind, benutzen ihn auch wieder. Am Wochenende, wenn die Fahrten nicht angeboten werden, können die örtlichen Vereine den Bus für ein geregeltes Entgelt nutzen. So dass auf diese Art eine gewisse Refinanzierung stattfindet. (…)
Konjunkturprogramm hatten wir ja nun in den letzten Jahren. Da haben wir im Bereich der Feuerwehr viel investiert. Schlierbach hat ein neues Gerätehaus bekommen. Wir haben in Zimmersrode das alte Feuerwehrgerätehaus mit den Mitteln renovieren können. Darüber hinaus wurde für die Feuerwehr auch noch ein gebrauchtes Tankfahrzeug beschafft, das uns bei den Geländeeinsätzen im letzten Jahr doch erheblichen Nutzen gebracht hat. Ohne das Fahrzeug wäre schlicht und ergreifend viel mehr Schaden entstanden. Wir haben im Bereich des Sports investiert, indem wir da den Nebenplatz in Zimmersrode geschaffen haben. Der sowohl für den Sportverein, als auch für Kindergarten und Schule genutzt werden kann. Also, wir versuchen immer möglichst alle mitzunehmen. Ohne die fleißigen Hände und ehrenamtlichen Stunden, die da abgeleistet werden, können wir gar nichts mehr bewegen. Dafür ist die Gemeinde einfach finanziell zu schlecht gestellt. Wir müssen also in den Momenten auf das Engagement der Bürger setzen und das klappt eigentlich ganz gut. Wenn man den Leuten erklärt was man vor hat und sie dafür begeistern kann, dann funktioniert das 100-Prozentig. Bestes Beispiel ist der Dorfvorplatz in Dorheim geworden. Da haben wir ein altes Haus abgerissen und einen schönen neues Platz und kombiniertes Gebäude, vorne Bushaltestelle und hinten Grillmöglichkeit, geschaffen.
Im Rahmen von Stadt und Bau Schwalm-Eder West ist die neue Gaststätte am See eingerichtet worden. Die ist noch von meinem Vorgänger in die Wege geleitet worden. Ich hab da die Umsetzung betreut. Wir haben einen Generationenpark. Also, einen Spielplatz in Neuenhain, der sowohl für Kinder als auch für Erwachsene geeignet ist. Da sind eben auch Spielgeräte für Senioren, wo man gymnastische Übungen machen kann. Ähnlich wie im Fitnessstudio. (…)
Im Bürgerbüro wurde Einiges getan, was das optische Erscheinungsbild angeht. Es ist in den letzten fünf Jahren eine Menge in die Schulung der Mitarbeiter gesteckt worden. Insbesondere im Bereich Rhetorik und Konfliktbewältigung. Dass also mittlerweile auch ein sehr freundlicher Umgangston zu unserem Standardprogramm gehört. Ich weiß nicht, wie es früher war, aber mir ist berichtet worden, dass sich das erheblich verbessert hat.
Wir haben natürlich auch einen Generationswechsel innerhalb der Verwaltung vor uns. Da haben wir jetzt schon die Nachfolgekräfte in der Verwaltung und wir sorgen dafür, dass sie gut eingearbeitet werden und dass der Wechsel in den Schlüsselpositionen möglichst reibungslos verläuft. Wir setzen da gezielt auf junge Leute, die wir auch selber ausgebildet haben. Um eben den Leuten in der Verwaltung eine Möglichkeit zur Karriere zu bieten.
Die interkommunale Zusammenarbeit läuft gut. Es ist noch viel zu tun auf dem Gebiet. Wir haben zum Beispiel mit Jesberg einen Mähbezirk gegründet, das heißt, unser Großflächenmäher mäht dort den Rasen und wir kriegen die Kosten dafür erstattet. (…)
Wenn Sie ein erneutes Mal gewählt werden, wo sehen Sie Neuental nach der kommenden Amtszeit?
Ich denke, dass wir bis dahin die Haushaltskonsolidierung halbwegs hingekriegt haben. Uns in dem Bereich der Einnahmen verbessern werden. Ich denke, dass ungefähr zum Ende meiner Amtszeit der Autobahnanschluss bis nach Schwalmstadt steht. Dass das Gewerbegebiet dann endlich vermarktbar wird. Denn kein Betrieb geht in ein Sackgassengewerbegebiet. Das ist leider Gottes so. Ich denke, dass wir dann auch eine sehr kinderfreundliche Kommune sind, wenn wir die Arbeiten am Kindergarten komplett abgeschlossen haben. Sprich Angebotserweiterung.
Ich bin mir auch sicher, dass es uns gelingen wird, Versorgungsprobleme, die die Zukunft mit sich bringen wird, zu bewältigen. Ich denke da insbesondere an die Ärzteschaft. Wir haben sehr gute Ärzte vor Ort. Und ich denke, da wir ein gutes Verhältnis mit unseren Ärzten haben, wird es auch möglich sein, gemeinsam nach Nachfolgern zu suchen. Um die ärztliche Versorgung auf dem ländlichen Raum sicherzustellen.
Ich denke, dass im Bereich Tourismus, insbesondere Tages- und Hessen- und Deutschlandtourismus sich Einiges noch tun wird. Wir haben langsam angefangen ein Wanderwegenetz aufzubauen. Wir sind dabei ein internes Radwegenetz auszuweisen, um Leute von Zimmersrode zum Neuenhainer See zu bringen. Und auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Neuenhainer See auch von Kassel gut zu erreichen. (…)
Ich gehe davon aus, dass wenn ich die zweite Periode geschafft habe, dass ich dann noch mal ein drittes Mal gewählt werde.
Welche Projekte liegen Ihnen in Neuental besonders am Herzen?
Eigentlich alle.
Ich sag mal, das Projekt des Kindergarten haben wir weitestgehend abgeschlossen, das war eine der Hauptaufgaben. Ich denke, dass der Bereich der erneuerbaren Energien eine große Rolle spielen werden, wo ich mich ganz stark einbringen muss.
Können sie da schon sagen in welche Richtung das gehen soll?
Also, das muss man jetzt abwarten. Man muss erstmal sehen, was die Vorgaben des Landes werden. Das Thema Windkraft kann man nicht ausklammern, das muss man eben sehen. Aber man muss es bürgerverträglich und bürgerfreundlich gestalten. Irgendwo eine Fläche in der Gemeinde von dritter Hand ausgewiesen zu bekommen und damit leben zu müssen, ist keine Option, es sollte also schon von der Gemeinde ein Impuls kommen, wenn wir Windkraft machen wollen, dann bitte auf den Flächen, wo wir sie haben wollen. Dass wir uns dem Thema nach Fokushima nicht verschließen können, ist auch klar. Das ist nun mal so, da muss jeder seinen Beitrag leisten. Aber es gibt halt Standorte die bürgerverträglich sind und manche die ein richtiger Reizpunkt sind. Und da muss man eben gucken wo die Reise hingeht. Aber ich denke auch an Solarflächen. Wir haben ja nun den Solarpark, Was in die Richtung noch passieren wird, muss man gucken wo die Förderung jetzt hingeht. Wir haben fast sämtliche unserer Dachflächen an Solarbetreiber vermietet. Aber auch in Hinblick auf den A49-Weiterbau. Es ist ja so, dass nach dem aktuellen Gesetzgeber die Autobahnrandzonen auch wieder für Solarflächen erlaubt werden. Da kann man gucken, ob die Landwirte die eventuellen Flächeneinbußen durch den Autobahnbau haben und entsprechende Solarnutzung und Verpachtung wirtschaftliche Vorteile kompensieren können beziehungsweise den Verlust ausgleichen.
Ansonsten kann ich nicht sagen was mir besonders am Herzen liegt. Es ist halt so, ich sehe meine Aufgabe darin Impulse zu geben und Projekte anzustoßen. Aber für die letztendliche Ausarbeitung, den Abschluss und die Abwicklung ist meine Verwaltung da. Ich kann also keine Detailbetreuung machen. Meine Aufgabe ist es, die Verwaltung zu führen und Impulse für die Gemeinde zu suchen oder Projekte anzustoßen. Aber die Endausarbeitung muss ich den Fachleuten überlassen. (…)
Stichwort: “Demografischer Wandel”
Sieht gar nicht so schlecht aus für Neuental. Laut Regionalplan ist es so, dass wir im Hauptort Zimmersrode sogar noch Wohnungsbedarf bekommen werden. Insgesamt werden wir leicht verlieren, aber nicht so viel, wie die umliegenden Gemeinden. Das liegt einfach an den beiden Bahnhöfen. Bahnhöfe sind, man soll es nicht glauben, immer noch ein sehr hoher Faktor, die darüber entscheiden, wie die Bevölkerungsentwicklung ist, weil nicht jeder ein Auto hat. Und bei den momentanen Spritpreisen und sonstigen Unterhaltungskosten kann sich nicht jeder ein Auto leiste. Und da ist wohnen auf billigem ländlichen Raum doch die günstige Alternative, wenn es eine vernünftige Zuganbindungen gibt. Da kann man auch Leerstand vermeiden. Zudem bietet unsere gute Kinderbetreuung die Möglichkeit, dass eben beide Elternteile arbeiten gehen.
Darüber hinaus ist es eben so, dass wir bei Baumaßnahmen immer schon auf seniorenbedarfsgerechtes bauen achten und barrierefreie Zugänge geschaffen werden. Wir achten bei jeder Baumaßnahme darauf, dass an allen Ecken Bordsteinabsenkungen sind, dass da Rollatoren oder ähnliches gut drauf fahren können. (…)
Wir haben auch ein Programm laufen, wo wir alte Gebäudesubstanz aufkaufen und dann abreisen, um dann innerorts Bauplätze anbieten zu können. Neue Baugebiete wollen wir nicht, wir haben uns jetzt auch selbst verpflichtet, keine mehr auszuweisen. Wir wollen die Ortskerne wiederbeleben, das heißt, wenn irgendwo eine Brache ist, die längere Zeit als Schandfleck da ist, dann werden wir versuchen die zu beseitigen. (…)
Wie schätzen Sie die zukünftige Gewerbeanssiedlung in Neuental ein? Sehen Sie Chancen durch den Weiterbau der A49?
Wenn man irgendwann von einer durchgehenden Autobahn ausgehen kann, denke ich, dass sich Unternehmen, wie Logistiker oder Peripherieunternehmen in Neuental ansiedeln. Der momentane Bebauungsplan ist aber einfach nicht mehr zeitgemäß, da muss noch Einiges geändert werden.
Was wünschen Sie sich für die Wahl und von den Bürgern?
Ich wünsche mir eine hohe Wahlbeteiligung. Für den späteren Sieger ist es eine Bestätigung und es stärkt einem den Rücken. Deshalb wünsche ich mir, dass viele Bürger zur Wahl gehen und natürlich ganz egoistisch, dass sie mich wählen.
Ich bedanke mich für das Gespräch.
