
Die geheime Versteigerung der Kammerfenster: Im Hinterzimmer der Gaststätte Ide findet unter Leitung von Konrad Glänzer (4. v.r.) die Pflege dieses alten Brauchs statt. Fotos: Köster
Loshausen. Nachdem Loshausen in der Hessenschau vom Donnerstag zum „Dollen Dorf der Woche“ gewählt worden war, betrat das Filmteam des Hessischen Rundfunks nur zwei Stunden später das Dorfgemeinschaftshaus des Willingshäuser Ortsteils.
Wie packt man ein Portrait über Loshausen, mit seinen vielen Vereinen und Aktivitäten, in einen Film von gerade mal fünf Minuten? Diese schwierige Aufgabe galt es gemeinsam mit Ortsvorsteher Bernd Bätz und den über 70 anwesenden Loshäusern zu lösen und in ein „Drehbuch“ zu packen.
Im kalten Oktobernebel starteten HR-Reporterin Anna Schilling und Ortsvorsteher Bätz am nächsten Morgen zur großen Rundreise durch das 960-Seelen-Dorf. „Es soll ein tolles Portrait werden“, erklärte Schilling, „daher versuchen wir immer etwas Außergewöhnliches aus dem Ort zu zeigen“.

Genaue Regieanweisungen vor dem Dreh: Kameramann Walter Pausch erklärt den Mädchen vom Jugendclub, auf was sie bei der nächsten Einstellung alles achten sollen.
Einer Stippvisite in Arnholds Mühle, mit einem Blick auf den Stromerzeuger, folgte das erste Kuriosum, die sogenannte „Kammerfensterversteigerung“. Bei diesem Brauch ersteigern die jungen Burschen das Kammerfenster einer jungen Schwälmerin. Der Gewinner steigt auf einer Leiter zu ihr hoch und ergattert dort Eier, Wurst oder Schinken und manchmal sogar ein Küsschen von der Holden.
Kurze Zeit später sah man Kameramann Walter Pausch schon wieder auf dem Boden des DGH knien, um ein paar Einstellungen von Tischtennis-Champion Jörg Blumenauer zu drehen. Draußen bauten Werner Ries und seine Helfer derweil schon die historische Flachsstraße auf und Gisela Schleicher stickte mit ihren drei Mitstreiterinnen fleißig vor sich hin.
Trotz ihres strammen Drehplans, dem die Filmcrew immer ein bisschen hinterher hing, nahmen sie sich für alle Akteure Zeit und niemand wurde gedrängt. Vom Tanz der kleinen Rotkäppchen waren die Fernsehleute so begeistert, dass sie sich auch nach mehreren Kameraeinstellungen nicht trennen wollten. „Die kleinen Schönheiten muss ich alle in groß haben“, meinte Kameramann Pausch völlig begeistert.
Am Ende des langen Drehtages präsentierte der Jugendclub Loshausen auf dem Hof der Gaststätte Ide noch einen Einblick in die diesjährige Apfelweinproduktion, bevor sich Walter Pausch mit seiner großen Kamera in den Segelflieger zwängte und Loshausen aus der „Storchenperspektive“ filmte. Leider konnte der Storch nicht „persönlich interviewt“ werden, da er mit seiner Familie schon gen Süden geflogen war.
In dem Portrait, dass die über 60 Filmminuten eines ganzen Drehtages in nur 5:22 Minuten zusammenfasst, kommt der Storch dann doch noch vor – der HR hatte noch Aufnahmen aus Loshausen in seinem Archiv.
























